
Historische Luftaufnahmen 1930 und 1943
26. November 2025Sind die Hendschiker – und später auch die Hendschikerinnen – bei eidgenössischen Abstimmungen an die Urne gegangen? Lagen die Hendschiker/innen mit ihrem Abstimmungsverhalten jeweils im schweizerischen oder aargauischen Trend?
Text: Sabina Vögtli-Fischer (Nov. 2025)
Diesen Fragen wollen wir anhand einiger wichtiger und prägender eidgenössischer Abstimmungen nachgehen. Der Fokus liegt dabei auf den Stimm- und Wahlberechtigten in Hendschiken. Die kantonalen und eidgenössischen Resultate interessieren uns dabei ebenso wie die Abstimmungsempfehlungen von Bundesrat, Parlament und Parteien sowie die Abstimmungsplakate oder die Abstimmungstexte.
Frauenstimmrecht
7. Februar 1971
Obligatorisches Referendum
| Hendschiken | Kanton Aargau | Schweiz | |
|---|---|---|---|
| Stimmberechtigte | 209 | 109’855 | 1’654’708 |
| Stimmbeteiligung | 80.4% | 72.9% | 57.7% |
| Ja-Stimmen | 68 (41.2%) | 39’649 (50.2%) | 621’109 (65.7%) |
| Nein-Stimmen | 97 (58.8%) | 39’229 (49.8%) | 323’882 (34.3%) |

Zu den Zahlen:
- Die Hendschiker Männer haben sich klar gegen das Frauenstimmrecht ausgesprochen und sich somit gegen den National- und Ständerat sowie gegen die meisten Parteien gestellt, welche das Frauenstimmrecht befürwortet haben.
- Die Stimmbeteiligung in Hendschiken lag deutlich höher als im kantonalen und schweizerischen Durchschnitt.
- Der Bezirk Lenzburg hat die Einführung des Frauenstimmrechts ebenfalls abgelehnt (52.7%). Von den 20 Gemeinden im Bezirk Lenzburg haben damals nur drei – Lenzburg, Möriken-Wildegg und Staufen – das Frauenstimmrecht angenommen.
Fakten:
- National- und Ständerat befürworteten die Einführung des Frauenstimmrechts.
- Folgende Parteien haben die JA-Parole beschlossen: CVP, EVP, FDP, LdU, LPS, PdA, SPS, SVP
- Folgende Kantone haben das Frauenstimmrecht angenommen: AG, BE, BL, BS, FR, GE, GR, LU, NE, NW, SH, SO, TI, VD, VS, ZG und ZH
- Folgende Kantone haben das Frauenstimmrecht abgelehnt: AI, AR, GL, OW, SG, SZ, TG und UR
Zur Geschichte des Frauenstimmrechts:
- 1868: Im Zusammenhang mit einer Verfassungsrevision verlangten Zürcherinnen das aktive und passive Wahlrecht.
- 1929 reichte der Schweizerische Verband für Frauenstimmrecht (SVF) mit Unterstützung anderer Frauenorganisationen, der SP und der Gewerkschaften auf Bundesebene eine Petition für das Frauenstimmrecht ein. Sie blieb erfolglos.
- 1940 und 1941: In Genf und Neuenburg wurden Vorlagen für das kantonale und kommunale Frauenstimmrecht verworfen.
- 1957: Der Kanton Basel-Stadt ermöglicht die Einführung des Frauenstimmrechts in den drei Bürgergemeinden. Riehen führte es bereits im Jahr 1958 ein.
- 1957: Der Bundesrat legt einen Abstimmungsentwurf zum Frauenstimmrecht vor.
- 1959: Die Vorlage wurde mit 654’939 (66.9%) gegen 323’727 (33.1%) bei einer Stimmbeteiligung von 66.7% abgelehnt. Nur die Kantone VD, GE und NE stimmten zu. Der Kanton Waadt führte das Frauenstimmrecht auf kantonaler und kommunaler Ebene ein. Neuenburg folgte noch in selbem Jahr und Genf im Jahr 1960.
- 1966: Basel-Stadt führte als erster Deutschschweizer Kanton das Frauenstimmrecht auf kantonaler und kommunaler Ebene ein.
- 1968 plante der Bundesrat die Unterzeichnung der Europäischen Menschenrechtskonvention, dies jedoch unter Ausschluss des Frauenstimmrechts. Das brachte die Frauenorganisationen auf und der Bundesrat versprach eine erneute Abstimmung.
- 1971: Die Frauen erhielten das eidgenössische Stimm- und Wahlrecht. Die Kantone führten kurz vor, nach oder zeitgleich das kantonale und teilweise das kommunale Frauenstimmrecht ein. In Appenzell Ausserrhoden sprach sich die Landsgemeinde erst 1989 für das Frauenstimmrecht aus.
- 1971: 11 Frauen wurden in den Nationalrat gewählt.
- 1983: SP nominierte Lilian Uchtenhagen als erste Frau für einen Sitz im Bundesrat. Gewählt wurde damals Otto Stich (SP).
- 1984: Elisabeth Kopp (FDP) wurde zur ersten Bundesrätin gewählt.
- 1993: Im Aargau mussten die Frauen bis ins Jahr 1993 auf eine Vertretung im Regierungsrat warten. Gewählt wurde Stephanie Mörikofer (FDP).
- 2008/2018: In Hendschiken wurde 37 Jahre nach Einführung des Frauenstimmrechts mit Sabina Vögtli-Fischer (SP) erstmals eine Frau in den Gemeinderat gewählt. Das Amt des Gemeindeammanns blieb in Hendschiken bis ins Jahr 2017 eine Männerbastion. Für die Legislatur 2018/2021 erhielt Hendschiken nicht nur eine Frau Gemeindeammann (Sabina Vögtli-Fischer), sondern mit Susanne Hofmann (parteilos) und Rosmarie Mutti (parteilos) eine Frauenmehrheit im Gemeinderat.
- 2012/2023: Mit Maya Bally wurde 2012 die erste Hendschikerin in den Grossen Rat des Kantons Aargau gewählt und im Jahr 2023 erhielt Hendschiken – ebenfalls mit Maya Bally – eine erste Nationalrätin.
Literatur:
David Hesse; Philipp Loser: Heute Abstimmung! 30 Volksabstimmungen, die die Schweiz verändert haben, Zürich 2024
Yvonne Voegeli; Werner Seitz: «Frauenstimmrecht», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.12.2024. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/010380/2024-12-13/, konsultiert am 14.11.2025.
Swissvotes – Die Datenbank der eidgenössischen Volksabstimmungen, Année Politique Suisse, Universtität Bern (www.swissvotes.ch) – Einführung des Frauenstimmrechts; konsultiert am 14.11.2025

