Historische eidgenössische Abstimmungen in Hendschiken
18. Januar 2026Text: Trudi Engelhardt, Hendschiken (2026)
Zählte Hendschiken anfangs der 1970er Jahre noch rund 750 Einwohner, sank diese Zahl im Verlauf der folgenden Jahre auf etwa 690. Diese Entwicklung bereitete den damaligen Gemeinderäten (Albert Amsler-Schmid, Werner Roth, Bernhard Rothenbühler, Heinz Huber und Walter Hubschmid) Sorge, zumal damit auch der Fortbestand der Schule zunehmend infrage gestellt war.
Die Bereitschaft von Fritz Frey-Suter, Landwirt in Hendschiken, Acker- und Mattland zu verkaufen kam daher dem Gemeinderat sehr entgegen. Der Verkauf des Landes war mit Auflagen verbunden: Der Weiterverkauf durch die Gemeinde sollte nur an junge Familien erfolgen und der Quadratmeter musste zum Selbstkostenpreis verkauft werden.
Im November 1978 konnte ein entsprechender Kaufvertrag zwischen der Gemeinde Hendschiken und Fritz Frey-Suter abgeschlossen werden. Die erworbene Fläche umfasste 114,25 Aren zum Preis von Fr. 38.00 pro Quadratmeter. Um eine zusammenhängende Bebauung des Quartiers zu ermöglichen konnte mit Susanne Sommerhalder ein flächengleicher Abtausch mit Parzelle 904 und 903 vereinbart werden.
An der Gemeindeversammlung vom 9. März 1979 wurde der Gemeinderat ermächtigt die Bauparzellen Heuweg an interessierte Familien zu verkaufen. Dabei durfte lediglich der Selbstkostenpreis verlangt werden. Dieser bestand aus dem Landpreis und den Erschliessungskosten, was einen Quadratmeterpreis von rund Fr. 65.00 ergab. Die Bauinteressierten verpflichteten sich im Gegenzug, in Hendschiken Wohnsitz zu nehmen.
Gegen den Überbauungsplan, der im Mai/Juni 1979 im Gemeindehaus auflag, erhob die Grastrocknungsgesellschaft Hendschiken Einspruch. Sie befürchtete negative Reaktionen der zukünftigen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, da der Betrieb der Grastrocknung mit gewissen Immissionen verbunden sei. Dieser Einspruch wurde abgelehnt und der Überbauungsplan an der Gemeindeversammlung vom 6. Juli 1979 einstimmig angenommen.
Das Interesse an den Bauparzellen, zu einem Quadratmeterpreis von schliesslich Fr. 67.00, war gross, so dass die Finanzierung durch den Baulandverkauf sichergestellt werden konnte. Nachdem die Quartierstrasse erstellt worden war, begannen 1980 die ersten Bauarbeiten. Aufgrund des nassen Wetters und des stark lehmhaltigen Bodens verwandelten sich mehrere ausgehobene Baugruben zeitweise in kleine «Schwimmbäder». Doch im Sommer verbesserten sich die Bedingungen und die Arbeiten kamen zügig voran.
An der Gemeindeversammlung am 28. März 1980 musste der Gemeinderat einräumen, dass die Erschliessungskosten für das Heuweg Quartier zu tief berechnet worden waren. Ein zusätzlicher Kredit von Fr. 146’00.00 stand zur Diskussion. Die Debatte verlief offenbar recht kontrovers: Die Meinungen reichten von Freude über den Zuzug junger Familien bis zur deutlichen Kritik am Vorgehen des Gemeinderates. In einer geheimen Abstimmung wurde der Kreditantrag mit 70 Nein zu 53 Ja Stimmen klar abgelehnt.
Die Gebäude der zukünftigen Heuweg Bewohnerinnen und Bewohner nahmen trotz den noch nicht geklärten Erschliessungskosten langsam Gestalt an.
An der Gemeindeversammlung vom 26. September 1980 legte der Gemeinderat den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern erneut einen Antrag für die Erschliessung vor. Da die eingeplante Teuerung nicht beansprucht worden war, reduzierte sich der Kredit auf «nur» noch Fr. 95’000.00. Beim zweiten Anlauf wurde der Antrag einstimmig angenommen.
Auch schon in den frühen 1980er Jahren war das Bedürfnis nach Information und Unterhaltung gross. So wurde für das Quartier die «Antennengesellschaft Heuweg» gegründet. Mit Fr. 50.00 Jahresgebühr war man dabei und kam in den Genuss von immerhin sechs Fernsehsendern. Die Antennengesellschaft wurde Mitte der 1980er Jahre durch die «Telecommunal AG» abgelöst.
Schon bald wurde das Heuweg-Quartier auch als «Känguru-Viertel» bekannt – ein Hinweis darauf, dass hier viele junge Familien lebten, die mit kleinem Budget grosse Sprünge wagten.
Von den insgesamt 14 Grundstücken werden neun bis heute von den gleichen Familien bewohnt. Vier Eigentümer/innen sind in der Zwischenzeit verstorben, doch in zwei dieser Häuser leben deren Kinder weiter. Zwei Grundstücke wurden verkauft, und auf einem fand bereits vor vielen Jahren ein Eigentümerwechsel statt. Auf dem in den 1980er Jahren unbebauten Teil der Fläche entstanden seither weitere sechs Einfamilienhäuser, sodass das Heuweg-Quartier heute vollständig bebaut ist.
Das alljährliche Quartierfest bietet immer wieder Gelegenheit zum gegenseitigen Austausch und ermöglicht insbesondere neuen Bewohnerinnen und Bewohnern, einander kennenzulernen. Und auch nach über 40 Jahren ist der Zusammenhalt im Quartier lebendig wie eh und je.





